VORTEX #2 - PANDEMIC WHIRLS

5 Tage I Musik I Video I Performance I Tanz

  • 20.05.22 - 19:00 Uhr, Tonstudio Tessmar Hannover
  • Programm
  • Die Gesangstexte
  • Day 2: PANDEMIC WHIRLS


    ”...die Künste unter Waffen erstickt und in den Kot getreten...“  H.Schütz

    Performance-Multimedia Konzert


    Heinrich Schütz (1585-1672)
    Eile, mich, Gott, zu erretten, Herr, mir zu helfen, SWV 282             
    O Jesu, nomen dulce, SWV 308                                               
    O misericordissime Jesu, SWV 309                                                             

    Claudio Monteverdi (1567-1643)
    Lamento d'Arianna aus: Arie e Lamenti                                                               
    ”Si Dolce È Il Tormento“ aus: Arie e Lamenti (libro nono)                   

    Girolamo Frescobaldi (1583–1643)
    Canzoni, libro I, Nr.8 à basso solo                                           
    Canzoni, libro I, Nr.6 à basso solo                                                                            
    Canzoni, libro I, Canzona seconda detta la Bernadinia                         

    Johann Erasmus Kindermann (1616-1655)
    Violinsonate g-moll
    Choral: Fried wo bist so lang geblieben

    Bellerofonte Castaldi (1580-1649)
    Tasteggio soave

    Dong Zhou (*1992)
    "Pandemic Mottos" - UA der 3D Klang-Komposition
    - "Let the Birds Take Over"
    - "I Wish You Be Negative"
    - "We Are Always Connected"


    Pia Davila. Sopran
    Performance Group der HMTM Hannover, Leitung: Carolina Paludo Sulczinski

    musica assoluta:
    Katharina Giegling. Violine
    Thorsten Encke. Violoncello
    Karsten Schulz. Kontrabass
    Johannes Festerling. Chitarrone
    Yo Hirano. Cembalo | Orgel


    Zu Schütz’ Zeiten kam das musikalische Leben durch den 30jährigen Krieg und die anschließende Pest völlig zum Erliegen. Schütz nutzte die Zeit um nach Venedig zu pilgern; traf er dort Monteverdi? Es ist eine nicht nachgewiesene Annahme.
    Gibt es eine Parallele zu unserer heutigen Zeit? Oder ist dies der fundamentale Unterschied: Damals komponierte man zu Ehren eines geglaubten Gottes, heute greift der Mensch selbst gottgleich in das Leben ein. Biotechnik und Artificial General Intelligence (AGI oder auch KI) krempeln das Leben der Menschheit schon jetzt völlig um. Niemand kann sagen, was passieren wird. Stoff genug für eine multimediale Installation, in der nicht nur die Performer, sondern auch die Musiker*innen selbst als Darsteller gefordert sind. Live gespielte Musik von Heinrich Schütz, Claudio Monteverdi und Girolamo Frescobaldi prallt auf eine elektronische Sound-Komposition der jungen chinesischen Multimediakünstlerin Dong Zhou.

  • Heinrich Schütz
    Eile, mich, Gott, zu erretten, Herr, mir zu helfen, SWV 282 

    Eile, mich, Gott, zu erretten, Herr, mir zu helfen!
    Es müssen sich schämen und zu Schanden werden,
    die nach meiner Seele stehen.
    Sie müssen zurückekehren und gehöhnet werden,
    die mir übels wünschen,
    daß sie müssen wiederum zu Schanden werden,
    die da über mich schreien: da;
    freuen und fröhlich müssen sein in dir,
    die nach dir fragen und dein Heil lieben,
    immer sagen: Hoch gelobt sei Gott.
    Ich aber bin elend und arm;
    Gott, eile zu mir,
    denn du bist mein Helfer und Erretter,
    mein Gott, verzeuch nicht.

     

    O Jesu, nomen dulce, SWV 308 

    (Übersetzung)

    O Jesu, lieber Name,
    Name voller Wunder du, Name, der tröstet,
    Was wird besungen denn süsser noch,
    Was vernommen denn freudiger,
    Was ist zu denken lieblicher,
    Denn Jesu, Gottes einer Sohn?
    O Name Jesu, wahre Seelenspeise,
    Im Munde Honig, im Ohr Gesang,
    In meinem Herzen Freude.
    Drum will ich deinen Namen, o süssester Jesu,
    Ewig mit meinem Munde lobsingen

    (Gebet nach dem Hymnus "Jesu, dulcis memoria" des Bernhard von Clairvaux 1090-1153)

     

    O misericordissime Jesu, SWV 309

    (Übersetzung)

    O du allerbarmherzigster Jesu, o du freundlichster Jesu,
    o Fülle der Gnade, o Jesu, o Jesu, du bist das
    Heil der Hoffenden, du bist das Heil der Glaubenden,
    du bist das Heil aller, die zu dir fliehn.
    O Jesu, süße Vergebung du all unsrer Missetaten,
    o Jesu, deines heiligen Namens wegen rette, rette mich vom ewgen Tod!
    O Jesu, hab Erbarmen, denn Zeit ist es noch zu erbarmen,
    eh du mich strafest am Tage des Weltgerichtes.
    Hab ichs gleich verdienet, daß du mich verdammen könntest;
    du bist treu geblieben, du bist mich zu retten mächtig.
    So sei du nun mein Heiland, denn dies ist ja dein Name,
    und hab mit mir erbarmen und laß
    mir geschehen nach deinem Namen.
    Schaue doch mich Armen an,
    denn ich rufe dich mit deinem liebreichen Namen: JESU.

    (Gebet nach Augustinus, Medidationes 39, 6. 8: 18,2)

     

    Claudio Monteverdi
    Lamento d'Arianna aus: Arie e Lamenti

     (Übersetzung)


    Lasst mich sterben. Und wer sollte mich auch trösten in so hartem Schicksal, in so harter Pein? Lasst mich sterben. O Theseus, o mein Theseus, ja ich will dich mein nennen, denn du bist doch mein, auch wenn du, ach Grausamer, vor meinen Augen entschwindest. Wende dich um, mein Theseus, wende dich um, Theseus, o Gott, wende dich um, um nochmals jene zu betrachten, die für dich Vaterland und Königreich verließ, und die dazu an diesem Strand als Opfer unbarmherziger und wilder Tiere ihre bleichen Knochen zurücklassen wird. O Theseus, o mein Theseus, wenn du wüsstest, o Gott, wenn du wüsstest, ach, wie sich die arme Arianna ängstigt, vielleicht dadurch bekehrt, wendetest du noch einmal den Bug zum Strand. Aber mit günstigem Wind segelst du glücklich davon, und ich bleibe weinend hier. Dir bereitet Athen frohe und großartige Feste, und ich bleibe zurück, ein Opfer der Bestien am einsamen Strand. Dich werden deine alten Eltern freudig umarmen, und ich werde euch nie wiedersehen, o Mutter, o mein Vater.

     

    Erasmus Kindermann


    Fried’, wo bist so lang geblieben,
    ach, wir selbsten haben dich
    leider so elendiglich
    von uns in die Fern’ getrieben.
    Komm doch wieder zu uns her,
    denn der Krieg fällt uns so schwer.

    Ehe wir dann recht erwogen,
    was du für ein edler Schatz,
    gaben wir dir wenig Platz,
    haben deiner wenig pflogen.
    Jetzt und da du von uns bist,
    wissen wir, was Unfried’ ist.

    Reicher Gott von Gut und Gaben,
    sieh doch unser Elend an.
    Zwar wir haben Unrecht g ’tan,
    daß wir so gesündigt haben,
    aber Herr, straf deine Knecht
    mit Genad und nicht nach Recht.

    Jesu Christe, sieh die Deinen,
    die du selber hast erkauft,
    wie sie werden ausgerauft.
    Laß uns deine Gnad’ anschauen
    und verleihe Fried’ im Land,
    Glück und Heil in allem Stand.

Tickets

Eintritt: 23€/14€ (ermäßigt)

Ticketreservierungen per Mail an protected content

Abendkasse je nach Verfügbarkeit

"Vortex" ist ein multimediales und spartenübergreifendes Musikprojekt, das entscheidende Fragen unserer heutigen Zeit in den künstlerischen Fokus nimmt und in den Kontext von Musik, Wissenschaft und Geschichte stellt. Zum zehnjährigen Jubiläum von musica assoluta werfen wir ein Schlaglicht auf unsere gesellschaftliche und ökologische Wirklichkeit, auf den "Zeitenwirbel" vor dem drohenden Kollaps. Dass dies alles lebhaft und munter geschieht, mit lustvoller Darstellungsfreude, ist der Vorzug der Kunst und gleichzeitig unser direkter Draht zum Publikum. Das Denken wird angeregt. Wir werden unsere Emotionen verstehen lernen und zum kritischen Fragen animiert werden. In 5 Tagen verwandeln wir das Tonstudio Tessmar in ein Welttheater und erzählen von politischen Lügen, Stillstand und Aufbruch in Zeiten der Pandemie, stürzenden Wassern, dem Verlust der Heimat und dem Wirbel einer sich rasant verändernden Welt.


Der Zugang zum Konzertort ist barrierefrei.

Foto: Andrej Grilc

VORTEX #2 - PANDEMIC WHIRLS
  • 20.05.22 - 19:00 Uhr, Tonstudio Tessmar Hannover